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Wie komme
ich aus meinem Fitnessstudiovertrag?

Datum

Kevin Faustmann

Das Phänomen des schlummernden Mitgliedschaftsvertrages: immer wieder mal poppt er im Gedächtnis auf. Meine beste Freundin ist seit sechs Jahren Mitglied in einem Fitnessstudio. Die Anzahl ihrer Besuche dort lassen sich mühelos an einer Hand abzählen (nicht pro Jahr…insgesamt!). Wer sich dann nicht hin und wieder doch zum Sport aufraffen kann, könnte sich zumindest aus dem Fitnessstudiovertrag lösen und so viel Geld sparen. Die Hürde dafür scheint hoch zu sein. Ist sie aber in Wirklichkeit nicht. Wir zeigen, wie es geht und was beachtet werden muss.

Wichtige Gründe für eine außerordentliche Kündigung

Manchmal verändern sich Lebensumstände, die Gründe sein könnten, den laufenden Fitnessstudiovertrag außerordentlich – also ohne Einhaltung der vertraglich vereinbarten Kündigungsfrist – kündigen zu wollen. So können Umzug, Krankheit, Schwangerschaft oder ein Auslandsstudium Beweggründe sein, eine Kündigung anzustreben.

Grundsätzlich ist es wichtig zu beachten, dass bei der außerordentlichen Kündigung von langfristigen Verträgen die Interessen beider Vertragsparteien miteinander abgewogen werden müssen. Die Nutzerinnen und Nutzer möchten die angebotenen Leistungen nicht mehr in Anspruch nehmen und die Betreiberinnen und Betreiber der Fitnessstudios müssen Ein- und Ausgaben kalkulieren können, um diese Angebote zur Verfügung stellen zu können. Dabei spielen die Vertragslaufzeiten für diese eine wichtige Rolle.

Weil so eine außerordentliche Kündigung der Kundin oder des Kunden für die Betreibenden eine finanzielle Einschränkung darstellt, müssen die Gründe für die Kündigung ein gewisses Gewicht haben und dafür sorgen, dass das Festhalten am Vertrag diesen nicht zugemutet werden kann. Bei der Beurteilung wird auch der Verantwortungsbereich der Kündigenden in den Blick genommen.

Ein wichtiger Grund liegt etwa bei einer lang andauernden Krankheit vor, in der die Nutzung des Studios für die Kundin oder den Kunden nicht möglich ist. Dabei ist aber zu beachten, dass 1.) die Krankheit über die vereinbarte Vertragslaufzeit hinausgehen muss und 2.) mit der Kündigung ein ärztliches Attest vorgelegt wird, dass das Sportverbot bzw. die Sportunfähigkeit belegt. Gleiches gilt für die Schwangerschaft. Eventuell vereinbarte Fristen für eine Kündigung in diesen Fällen oder Anforderungen an die Ausführlichkeit des Attests sind nicht wirksam und müssen nicht beachtet werden.

Einige Fitnessstudios bieten in diesen Fällen an, den Vertrag ruhend zu stellen. Die ausgesetzte Zeit wird dann in der Regel an die vereinbarte Laufzeit drangehängt. Das kann sinnvoll sein, wenn der Kunde das Studio nach der Krankheit oder der Schwangerschaft weiternutzen möchte; ist aber kein Muss, wenn der Betreiber versucht, den Kunden in diesen Fällen dazu zu drängen.

Berufliche, familiäre oder andere private Gründe können einen Umzug erfordern. Das Fitnessstudio zu nutzen, kann dann aufgrund der Entfernung nur schwer oder nicht mehr möglich sein. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat für diesen Fall entschieden, dass der Wohnortwechsel zu Lasten der Kundin oder des Kunden geht. Da die Entscheidung dazu in deren Sphäre liegt und sie diese selbst getroffen haben, kann den Fitnessstudiobetreibenden im Rahmen der Abwägung der gegenseitigen Interessen die vorzeitige Vertragsbeendigung nicht zugemutet werden. Die außerordentliche Kündigung ist also nicht möglich. Zum gleichen Ergebnis würde auch die Kündigung aufgrund eines Auslandsstudiums führen.

Ordentliche Kündigung

Ist die außerordentliche Kündigung nicht möglich, ist zumindest an die ordentliche Kündigung zu denken. Der Vertrag verlängert sich sonst in der Regel immer wieder automatisch. Wann endet der Vertrag jedoch genau und welche Kündigungsfrist muss eingehalten werden? An dieser Stelle kommen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) bzw. der Vertrag mit dem Fitnessstudio ins Spiel. Ein Blick in den Vertrag bzw. die AGB hilft. Dort sind die Kündigungsfristen festgelegt. Für die ordentliche Kündigung müssen keine Gründe vorliegen. Das Schwierigste dabei ist es meistens, es einfach zu machen. Deswegen gibt es hier Formulierungsvorschläge, die das Kündigen erleichtern.

Praxishinweise

Am schönen Spruch „Recht haben, bedeutet nicht immer Recht bekommen“ ist etwas dran. Deshalb ist es empfehlenswert, ein, zwei Details für den Streitfall zu beachten.

Den Zugang der Kündigung müssen die Kündigenden beweisen. Daher empfiehlt es sich, falls die Kündigung persönlich erfolgt, diese in Begleitung einer Freundin, eines Freundes oder von Bekannten abzugeben, sodass der Zugang der Kündigung bezeugt werden kann. Um bei einer postalischen Versendung der Kündigung die bestmögliche Beweiskraft zu erzielen, ist der Versand als Einschreiben mit Rückschein zu empfehlen. Im Streitfall gilt das auf dem Rückschein quittierte Datum als Zugang der Kündigung. Unbedingt sollten Kopien von der Kündigung und – wenn vorhanden – weiterer Unterlagen, z. B. des ärztlichen Attests oder der Rückschein zum Einschreiben für die eigenen Unterlagen aufbewahrt werden.

Außerdem – und das gilt für jeden langfristigen Vertrag (also auch z.B. für Mobilfunkverträge) – ist es empfehlenswert, die Endtermine und Fristen zu notieren oder besser gleich konkret in den Kalender einzutragen. Erinnerungsfunktionen helfen beim Erinnern!

Zusammenfassung

Bei der Kündigung des Fitnessstudiovertrages sind also ein paar wenige Dinge zu beachten. Außerordentliche Kündigungen bedürfen wichtiger Gründe, die dem oder der Kündigenden die Nutzung unmöglich machen und die diese nicht beeinflussen können (vor allem Krankheiten). Diese Gründe müssen über die vereinbarte Vertragslaufzeit hinausgehen und im Falle der Krankheit muss diese durch ein ärztliches Attest belegt werden. Bei der ordentlichen Kündigung ist an die Kündigungsfrist zu denken.

Formulierungsvorschläge

Vorschlag für eine ordentliche Kündigung

Die ordentliche Kündigung kann folgendermaßen formuliert werden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich meinen Vertrag [ggf. Kennziffer, Vertragsnummer o. ä., wenn im Vertrag genannt] vom [Datum des Vertragsabschlusses] zum [deshalb der Blick in den Vertrag: hier einfach den letzten Tag der Vertragslaufzeit einsetzen], hilfsweise zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte senden Sie mir eine schriftliche Kündigungsbestätigung unter Nennung des Beendigungszeitpunktes zu.

Die für diesen Vertrag vorliegende Einzugsermächtigung widerrufe ich zum Ablauf des Vertrages für das nachfolgend genannte Konto.

Kontoinhaber:
IBAN:
BIC:
Name der Bank:

Mit freundlichen Grüßen


Vorschlag für eine außerordentliche Kündigung

Eine außerordentliche Kündigung – hier für das Beispiel einer Krankheit – kann so formuliert werden:

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich meinen Vertrag [ggf. Kennziffer, Vertragsnummer o.ä., wenn im Vertrag genannt] vom [Datum des Vertragsabschlusses] mit sofortiger Wirkung aufgrund einer ärztlich attestierten Krankheit [bzw. hier die Nennung des entsprechenden Kündigungsgrundes], die die Nutzung Ihres Fitnessstudios ausschließt. Das ärztliche Attest liegt diesem Schreiben bei. Hilfsweise kündige ich zum nächstmöglichen Zeitpunkt. Bitte senden Sie mir eine schriftliche Kündigungsbestätigung unter Nennung des Beendigungszeitpunktes zu.

Die für diesen Vertrag vorliegende Einzugsermächtigung widerrufe ich zum Ablauf des Vertrages für das nachfolgend genannte Konto.

Kontoinhaber:
IBAN:
BIC:
Name der Bank:

Mit freundlichen Grüßen

DER AUTOR

Kevin Faustmann

Kevin ist Studierender der Rechtswissenschaft im sechsten Fachsemester an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit dem Zyklus 2018/19 Teil der HCLC.
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