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Let’s call it quits – Die Kündigung von Mobilfunk- und Internetverträgen

03.03.2021

Kristina Boleininger

Oft fällt der Kauf eines neuen Smartphones mit dem Abschließen eines dazugehörigen Mobilfunk- bzw. Internetvertrags zusammen, ob in einem „Kombo-Deal“ mit dem entsprechenden Gerät zusammen oder separat. Einen neuen Vertrag abzuschließen ist aber meist einfacher als einen Vertrag zu kündigen. Dieser Artikel soll Ihnen dabei helfen herauszufinden, was Sie bei einer Tarif-Kündigung zu beachten haben und vor allem Klarheit darüber schaffen, wann eine solche Kündigung möglich ist.

 

Die Ermittlung der Kündigungsfrist

Die nötigen Informationen für die Kündigung des Mobilfunk- bzw. Internetanbieters stehen in der Regel im Vertrag bzw. auch auf der Rechnung. Am wichtigsten ist es herauszufinden, auf wie lange die Kündigungsfrist ausgelegt ist und zu welchem Kalendertag die Kündigung beim Anbieter eingehen muss, bevor eine automatische Vertragsverlängerung wirkt. Dabei ist anzumerken, dass Telekommunikationsdienstanbieter gesetzlich verpflichtet sind den letzten Kalendertag, an dem die Kündigung eingehen muss, um eine Vertragsverlängerung zu verhindern, auf der Rechnung selbstständig anzugeben.

Beispielsweise muss die Kündigung bei einer Kündigungsfrist von einem Monat auch mindestens einen Monat vorher beim Anbieter eingehen. Sie muss gerade nicht nur genau einen Monat im Voraus verschickt werden. Eine Kündigung würde auch dann wirken, wenn sie schon deutlich früher abgesendet wurde. Wenn Sie also bereits sechs Monate vor Ende der Mindestvertragslaufzeit wissen, dass Sie diesen Mobilfunkvertrag nicht halten wollen, können Sie diese Erledigung frühzeitig von Ihrer To-Do-Liste streichen, indem Sie schon zu diesem Zeitpunkt die Kündigung abschicken.

Wenn der gewünschte Kündigungstermin in unserem Beispiel auf den 17.06. fällt, muss das entsprechende Kündigungsschreiben spätestens am 17.05. beim Mobilfunk- bzw. Internetanbieter zugehen. Bei einer Kündigungsfrist von zwei Monaten wäre es der 17.04. und bei drei Monaten der 17.03. usw.

Wurde im Vertrag nur eine Kündigungsfrist in Wochen angegeben, wird bei der Fristberechnung auf den Wochentag abgestellt, an welchem der Brief dem Anbieter zugeht, d.h. wenn laut Vertrag der letzte Kalendertag, an dem die Kündigung eingehen muss auf Donnerstag den 17.06. landet, dann muss bei einer Kündigungsfrist von zwei Wochen das Kündigungsschreiben spätestens zwei Wochen vor dem letzten Kalendertag am Donnerstag, dem 03.06., bei dem Anbieter ankommen.

              

Der Zugang beim Anbieter ist essenziell

Zwar gibt es keine strengen Formerfordernisse für das Ergehen einer Kündigung, so ist eine mündlich abgegebene Kündigung genau so wirksam, wie eine schriftliche. Um im Streitfall jedoch einen Nachweis für den Zugang der Kündigung vorzeigen zu können, sollte diese am besten per Einschreiben versendet werden. Eine Kündigung kann auch per E-Mail oder über das Kontaktformular auf der Website des Anbieters erfolgen. Jedoch kann hierbei nur sehr schwer bewiesen werden, dass der Empfänger das Schreiben zum bezeichneten Datum erhalten und zur Kenntnis genommen hat. Es sollte in jedem Fall nochmal um eine Bestätigung der Kündigung gebeten werden.

 

Sonderkündigungsrecht

Das Sonderkündigungsrecht erlaubt es dem Kunden sich unter besonderen Umständen frühzeitig von dem Vertrag zu lösen. Sollten vor Ablauf der Vertragslaufzeit Störungen oder andere unzumutbare Probleme auftreten, dann kann der Kunde von seinem Recht auf Sonderkündigung Gebrauch machen. Solch ein Fall besteht unter anderem bei dauerhaft auftretenden Verbindungsstörungen, Preiserhöhungen während der Laufzeit oder fehlerhaften Rechnungen.

Allerdings kann man sich auch hier nicht sofort von dem Vertrag lösen, sondern muss dem Mobilfunkanbieter zuerst die Möglichkeit geben das Problem zu beheben. Diese Möglichkeit verschafft man dem Anbieter, in dem man ihm im Kündigungsschrieben selbst gleichzeitig eine angemessene Frist zur Behebung des Problems setzt. In den meisten Fällen genügt dafür eine Frist von zwei bis drei Wochen. Sollte sich bis zum Fristende nichts geändert haben, wird die Kündigung wirksam. Eine sofortige Kündigung ist demnach in den Fällen denkbar, in denen es dem Anbieter von vornherein nicht möglich ist den fehlerhaften Umstand zu beheben.

 

Achtung bei automatischen Vertragsverlängerungen

In den Fällen, in denen die Kündigungsfrist nicht rechtzeitig eingehalten wurde, kommt es regelmäßig zu sogenannten „automatischen Vertragsverlängerungen“. Die Vertragslaufzeit kann sich sodann um bis zu zwölf Monate verlängern. Ist es dazu gekommen, gibt es drei Möglichkeiten, wie weiter vorgegangen werden kann: Zum einen kann man auf die Kulanz des Mobilfunkanbieters hoffen. Viele Firmen legen einen großen Wert auf die Zufriedenheit ihrer Kunden. Wenn die Kündigungsfrist nur wenige Tage her ist, lohnt es sich deswegen dem Provider zu schreiben und zu fragen, ob der Vertrag ausnahmsweise trotz verspäteter Kündigung beendet werden kann.

Eine andere Option wäre es beim Provider nachzufragen, ob ein Vertragswechsel möglich ist, auf einen Vertrag mit persönlich passenderen Bedingungen. Auf diese Weise lassen sich womöglich günstigere Raten oder sogar eine kürzere Mindestlaufzeit vereinbaren. Der Nachteil hierbei liegt allerdings in dem Umstand, dass es sich technisch gesehen um einen Neuvertrag handelt, der deswegen oft auch eine längere Laufzeit umfassen kann.

Sollte sich der Mobilfunkanbieter querstellen, muss man fürs erste weiter am Vertrag festhalten. In diesem Fall gilt es sofort „auf den nächstmöglichen Zeitpunkt“ zu kündigen. Wollen Sie sich so schnell, wie möglich vom Vertrag lösen, bleibt zum Schluss noch die Möglichkeit der Einmalzahlung. Dies soll heißen, dass manche Provider im Austausch der Zahlung aller Monatsraten auf einen Schlag die anschließende automatische Kündigung anbieten.

 

Fazit: Vorrausschauen schadet nicht

Bevor überhaupt ein Vertrag unterschrieben und abgeschlossen wird, schadet es nicht sich darüber im Klaren zu sein, dass man grundsätzlich für die Dauer der Mindestlaufzeit an den Mobilfunk- und Internetvertrag gebunden ist. Informiert man sich nicht rechtzeitig über die Kündigungsfrist, dann oftmals noch darüber hinaus. Es ist kein Weltuntergang, aber ärgern tut es einen schon. Eine Kündigung per Einschreiben, die man sicherheitshalber zu früh als zu spät absendet, erspart einen von diesen Sorgen.

 

 

Interaktive Mustervorlagen der Verbraucherzentrale:

Kündigen eines Mobilfunkvertrags

 

Kündigung des Telefon- oder Internetanbieters

https://www.verbraucherzentrale.de/musterbriefe/digitale-welt/telefon-und-internetvertraege

DIE AUTORIN

Kristina Boleiniger

Selen ist Studierendere der Rechtswissenschaft im siebten Fachsemester an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit dem Zyklus 2019/20 Teil der HCLC.

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